Gleichstellung an der HSMW: Was unsere Studierenden sagen

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Die Gleichstellung aller Geschlechter ist ein wesentliches Anliegen der HSMW. Die Hochschule bekennt sich ausdrücklich zu Chancengleichheit unabhängig vom Geschlecht im Hinblick auf unterschiedliche Lebenssituationen in Studium und Beruf. Um besser zu verstehen, wie Studierende Gleichstellung an der HSMW wahrnehmen, was sie erwarten und wo sie sich Veränderung wünschen, hat das Gleichstellungsteam im Wintersemester 2025/26 eine Online-Befragung durchgeführt. Über 120 Studierende aller Studiengänge haben teilgenommen und Fragen beantwortet. Ziel des Ganzen war es, konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der HSMW-Praxis zu gewinnen, um nah an den Menschen zu sein, die unsere Hochschule ausmachen.


Wer hat geantwortet?

Nachdem zuerst die Beschäftigten der HSMW zu genau denselben Schwerpunkten befragt wurden, besteht die aktuelle Erhebung nun ausschließlich aus Antworten von Studierenden der HSMW.

44,5 Prozent identifizieren sich als weiblich, 38,3 Prozent als männlich, 6,3 Prozent als divers, 10,9 Prozent machten keine Angabe. Auffällig ist, dass viele der besonders ausführlichen Kommentare zu queeren Communities, Awareness-Strukturen, Vereinbarkeit und geschlechtersensibler Lehre von weiblichen und diversen Studierenden stammen. Männliche Studierende finden sich sowohl unter denen, die Gleichstellung klar befürworten, als auch unter den kritischeren Stimmen.

Visualisierung der teilnehmenden Studierenden nach Geschlechtern


Die Wichtigkeit der Gleichstellung

Die Ergebnisse zeigen zunächst ein klares Stimmungsbild: Für rund vier Fünftel der Befragten ist die Gleichstellung der Geschlechter persönlich wichtig oder eher wichtig. 62 Prozent bewerten Gleichstellung als wichtig, weitere 20 Prozent als eher wichtig. Somit ist sie für die deutliche Mehrheit ein selbstverständlicher Teil guter Studien- und Hochschulqualität – ähnlich wie faire Prüfungsbedingungen oder verlässliche Betreuung. Gleichzeitig gibt es eine kleinere, aber wahrnehmbare Gruppe (rund 17 Prozent stuften das Thema als eher unwichtig oder unwichtig ein), für die Gleichstellung kaum oder gar keine Rolle spielt. Diese Spannbreite verweist darauf, dass Gleichstellungsarbeit an der HSMW sowohl auf breite Zustimmung aufbauen als auch mit Vorbehalten umgehen muss.


Klare Erwartung: Vertrauen auf Augenhöhe

Die Erwartungen an die Gleichstellungsbeauftragten richten sich vor allem auf Unterstützung und Beratung. 64 Prozent der Befragten wünschen sich ein offenes Ohr für persönliche Anliegen, 59 Prozent erwarten Hilfestellung bei Fragen der Chancengleichheit – etwa zu Vereinbarkeit von Studium und Familie, Diskriminierung oder Belästigung. Deutlich weniger im Fokus steht die reine Informationsarbeit: Nur 40 Prozent möchten aktuelle Informationen zur Gleichstellung an der HSMW aktiv von der Gleichstellungsstelle. Zusammengefasst werden die Gleichstellungsbeauftragten eher als vertrauenswürdige Ansprechpersonen in schwierigen Situationen gesehen denn als Informationskanal.


Kennen Sie die Website des Gleichstellungsteams?

Ein wichtiges Ergebnis der Befragung betrifft die Sichtbarkeit. Nur etwa ein Viertel der Befragten (24 Prozent) hat die Website zum Thema Gleichstellung an der HSMW schon einmal besucht, 76 Prozent haben sie noch nie aufgerufen. Die institutionalisierte Gleichstellungsarbeit existiert, wird aber von der Mehrheit der Studierenden kaum wahrgenommen – obwohl sich viele in den offenen Antworten mehr Sichtbarkeit, Präsenz und klar erkennbare Strukturen wünschen. Gute Angebote reichen demnach nicht aus, wenn sie nicht zugleich sichtbar, verständlich und leicht zugänglich sind. Daran werden wir schnellstens arbeiten!

Sie haben sich eben auch ertappt und gehören zur zweiten Gruppe?

Schauen Sie doch gleich mal auf der Gleichstellungs-Website der HSMW vorbei, um sich mit diesem Thema vertrauter zu machen:


Offen gefragt – konkret geantwortet

Die freien Kommentare geben ein differenziertes Bild der Bedarfe. Viele Studierende fordern mehr Sichtbarkeit und Präsenz von Gleichstellung auf dem Campus: das Thema solle in der Hochschulöffentlichkeit regelmäßig auftauchen. Andere konzentrieren sich auf LSBTIQ*-Belange und wünschen sich eine sichtbare, von der Hochschule unterstützte queere Community mit regelmäßigen Treffen, Safe Spaces und Veranstaltungen.

Ein weiterer Strang betrifft Awareness, Schutz und Beschwerdewege: Gefordert werden anonyme Anlaufstellen bei Belästigung, ein angstfreier Campus durch Awareness-Konzepte (z.B. bei Partys), gut beleuchtete Wege und spürbare Konsequenzen bei diskriminierendem Verhalten von Lehrenden und Studierenden. Gleichstellung wird von vielen Befragten auch als Frage von Zugänglichkeit und fairen Rahmenbedingungen verstanden. So wünschen sich Studierende mit Kindern etwa hybride Teilnahmeoptionen, wenn Betreuungspflichten dies nötig machen. 

Auch inhaltlich wünschen sich Studierende Veränderungen: Geschlechteraspekte sollen systematisch in Lehrinhalte einfließen, weibliche und queere Vorbilder in Literatur und Lehre sichtbarer werden, geschlechtergerechte Sprache konsequent genutzt und wissenschaftliche Karrierewege von Frauen und queeren Personen besser sichtbar gemacht werden. 

Nicht alle Stimmen sind zustimmend. Es gibt vereinzelte Kommentare, die Gleichstellungsarbeit kritisch sehen, sie als nicht notwendig beschreiben oder Gleichstellung auf eine rein leistungsbezogene Logik reduzieren („Wer Gleiches leistet, muss Gleiches erwarten können“). Diese Spannungen zeigen, dass Gleichstellung an der HSMW nicht nur Schutzräume und Angebote für Betroffene braucht, sondern auch Dialogräume, in denen informiert, diskutiert und mit Widersprüchen umgegangen werden kann.


Wie geht es weiter: Drei wichtige Handlungsfelder

Das Gleichstellungsteam der HSMW nimmt die Ergebnisse dieser Befragung ernst und leitet drei besonders wichtige Handlungsfelder für die zukünftige Arbeit ab:

1. Beratung und Unterstützung als Kernaufgabe
Am stärksten erwarten Studierende ein offenes Ohr und konkrete Hilfe bei Problemen: 64 Prozent wünschen sich Gesprächs- und Beratungsangebote, 59 Prozent Hilfestellung bei Chancengleichheit – etwa bei Diskriminierung, Belästigung oder Vereinbarkeitsfragen. Die Gleichstellungsbeauftragten sollten daher vor allem als gut erreichbare, vertrauliche Anlaufstellen sichtbar sein, die Studierende im Einzelfall begleiten und bei Bedarf an weitere Unterstützungsstrukturen in der Hochschule weiterverweisen.​

2. Mehr Sichtbarkeit von Gleichstellung und Ansprechpersonen
Nur 24 Prozent der Befragten haben die Gleichstellungs-Website bisher besucht, gleichzeitig wünschen sich viele mehr Präsenz von Gleichstellungsthemen auf dem Campus und in der Kommunikation. Ein zentrales Handlungsfeld ist deshalb, die Gleichstellungsarbeit klarer und regelmäßiger sichtbar zu machen – beispielsweise über Website, Social Media, Newsletter und Präsenz bei hochschulweiten Veranstaltungen – und dabei immer mitzuvermitteln: Wer ist zuständig, wie erreiche ich die Stelle und wobei bekomme ich Unterstützung?​

3. Schutzstrukturen und Beschwerdewege stärken
In den offenen Antworten werden häufig Schutz vor Machtmissbrauch, Belästigung und Diskriminierung sowie der Wunsch nach sicheren, verlässlichen Beschwerdewegen genannt. Hier geht es darum, bestehende Verfahren zu überprüfen, zu vereinfachen und transparent zu machen, damit Studierende wissen: Wenn etwas passiert, gibt es klare, faire und ernst gemeinte Wege, Unterstützung zu erhalten und Missstände zu melden.​

Hinweis: Dieser Blogbeitrag gibt einen kompakten Überblick über die zentralen Ergebnisse der Umfrage, ersetzt aber nicht die vollständige Detailauswertung aller Fragen und Freitextantworten.